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Musikerviertel / Nordwestlicher Stadtteil

Bezirke 22 / 31

Beschreibung des Planungsgebietes

Sozialer Wohnungsbau

Die östlich gelegenen Wohnviertel beider Bezirke entstanden im Rahmen der Stadtentwicklungen der 20er und 30er Jahre.
Im Musikerviertel schloss sich nach 1950 sozialer Wohnungsbau in Zeilen- und Blockbauten an.
Auch die das westliche Drittel des Stadtteils Musikerviertel einnehmende Siedlung, Askren Manor, die bis zum Abzug der Amerikaner Wohnraum für Angehörige amerikanischer Streitkräfte bereit hielt, ist hauptsächlich eine 3- und 4-geschossige Zeilenbebauung. Im Zuge der Konversion sind hier 600-650 Wohneinheiten geplant, die sowohl Einzel- als auch Doppelhäuser enthalten sollen und den Umbau und die Modernisierung der vorhandenen Wohnblocks vorsehen. 
Im südlichen Drittel des Stadtteils Musikerviertel findet sich an der Grenze zum Bergl eine große Zahl von Bildungseinrichtungen - ein Gymnasium, Berufs- und Berufsfachschulen, die Fachakademie für Sozialpädagogik und die Monterssori-Schule.
Die Bebauung des Gebietes ist abgeschlossen. Im Rahmen der Modernisierungsmaßnahmen wurden in den 80 und 90er Jahren viele der durch die Wohnungsbaugesellschaft verwalteten Bauten im Musikerviertel renoviert und dem derzeitigen technischen Standard angepasst.

An das Musikerviertel schließt im Norden der Nordwestliche Stadtteil an, der das Konversionsgelände der Ledward Barracks enthält. 2015 wurde dort die Erstaufnahmestation für Flüchtlinge eröffnet. Im weiteren Teil der Ledward Barracks ist der i-Campus der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt vorgesehen, der einmal 3000 Studenten aus aller Welt beherbergen soll. Die ersten 100 ausländischen, noch im Stadtgebiet verteilt wohnenden Studenten, leben 2017 bereits in Schweinfurt.
2016 erwarben die Stadt Schweinfurt und die SWG Doppelhäuser in Holzbauweise auf dem ehemaligen Wohngebiet der Amerikaner, Yorktown Village, das um 1990 entstanden ist. Die Doppelhaushälften wurden inzwischen an die Bevölkerung verkauft (64) und vermietet (4). Im Norden dieses Gebiets werden weitere Wohnbaugrundstücke ausgewiesen.
Das Kessler Field diente den Amerikanern als Bildungs- und Sportpark. Das Gelände Kessler Field / Yorktown Village umfasst ca. 20 Hektar, liegt zwischen Hainig und Gartenstadt und ist über die Niederwerrner Straße, den Kasernenweg und die Heeresstraße zu erreichen.

Durch den Bau von zwei Kasernenkomplexen in den Jahren 1935/36 wurde die geplante weitere Entwicklung der Wohnbebauung nach Westen im nordwestlichen Stadtteil (31) blockiert. Die Kasernen, eine große Kleingartenanlage im Norden und das 1936 erbaute Stadion im Westen nehmen 3/4 der Fläche des Gebietes ein. Auch in diesem Gebiet wurden die Wohnungen in den letzten Jahren modernisiert.

Im Gebiet Musikerviertel bzw. Nordwestlicher Stadtteil gibt es etliche Schulen, darunter 3 Gymnasien, 2 Realschulen, die Montessori-Schule, mehrere Berufs- und Fachschulen, ein Bayernkolleg, ein Telekolleg, eine Berufsoberschule und Fachoberschule, eine private Wirtschaftsschule, eine Fachakademie für Sozialpädagogik sowie die Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt. Im Gebiet selbst gibt es keine Volksschule, im Grenzgebiet zur Innenstadt liegen jedoch die Auen-Volksschule und die Körner-Volksschule. Es gibt vier Kindertageseinrichtungen/Kindergärten in diesem Planungsgebiet. Im Kindergarten der Dreieinigkeitskirche kommen zum 31.12.2016 70% (vgl 2014 66%) der Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund. Seit dem Jahr 2017 ist die Kita der Dreieinigkeitskirche einer der fünf Familienstützpunkte Schweinfurts, die verschiedene, zielgerichtete Angebote für Eltern und Kinder vorhalten.
Mit dem Jugendhaus Franz-Schubert-Straße, dem Kinder- und Jugendtreff Dreieinigkeit und der Jugendbegegnungsstätte Euerbacher Straße gibt es drei Jugendeinrichtungen im Musikerviertel und Nordwestlichen Stadtteil.

Die Besucherstruktur des Jugendhauses reicht vom Kleinkind bis zum jungen Erwachsenen. Die Klientel kommt auch aus dem ganzen Stadtgebiet, der Stadtteil Musikerviertel und der Nordwestliche Stadtteil gehören aber zum Haupteinzugsgebiet.

Der Jugendtreff der Dreienigkeitskirche wurde 2002 eröffnet und von Jugendlichen aus dem gesamten Stadtgebiet besucht. Den Kindertreff gibt es seit 2003. Seit 2012 findet nur Arbeit mit Kindern bis zu 14 Jahren statt, die Klientel spiegelt die Bevölkerung des Musikerviertels wider, es sind Kinder Einheimischer sowie aus türkischen Familien und Kinder aus Spätaussiedlerfamilien.
Die Jugendbegegnungsstätte Euerbacher Straße bezieht ihre Besucher aus dem direkten Wohnumfeld, das aus Sozialwohnungen besteht. Bei der Besucherstruktur überwiegt der Kinderanteil und die Kinder kommen ausschließlich aus sozial schwach gestellten Familien.

Die Kirchengemeinden Dreieinigkeit sowie St. Michael leisten Kinder- und Jugendarbeit. Ansässige Sportvereine sind die DJK, der Reitverein Schweinfurt, der Eislauf- und Rollschuhverein, der TC „Weiß-Blau“. Weiterhin bieten andere Sportvereine in Turnhallen von fünf Schulen, in der Georg-Wichtermann-Sporthalle und im Willy-Sachs-Stadion Aktivitäten an. Das Sportangebot ist in diesem Gebiet damit sehr vielseitig. Frei- und Spielflächen sind im Stadtteil vorwiegend auf Klein- und Schulkinder ausgerichtet.

Das Musikerviertel und der Nordwestliche Stadtteil bestehen bis auf den Hainig überwiegend aus kleinen Tempo30-Zonen, die jedoch durch stark befahrene Straßen, wie die Niederwerrner Straße, die Franz-Schubert-Straße, der J.-F.-Kennedy-Ring oder die Nikolaus-Hofmann-Straße voneinander abgegrenzt werden. Die Anbindung an die Innenstadt durch die öffentlichen Verkehrsmittel erfolgt für den Nordwestlichen Stadtteil zur Hauptverkehrszeit im 20- bis 30-Minuten-Takt und ist als eher schlecht zu beurteilen. Das Musikerviertel verfügt zwar über keine eigen Buslinie, jedoch führen die Buslinien Richtung Niederwerrn, Oberwerrn und Hainig durch dieses Gebiet, wodurch eine gute Busverbindung vorhanden ist.

Bevölkerungsstruktur

Generationswechsel

Bevölkerungssituation im Planungsgebiet
Die in den 70er Jahren bestandene Überalterung des Viertels hat sich durch einen Generationswechsel verändert. Die ältere Bevölkerung ist zunehmend rückläufig und die Altersstruktur hat sich zugunsten der Jüngeren verschoben. Die Altersklassen von 19–35 Jahren sind überdurchschnittlich vertreten.
Zum 31.12.2016 ist die Anzahl der im Planungsgebiet Lebenden auf 6787 (vgl. 2014  6305, 2010 6436, 2006 6511, 2001 6637) angestiegen.

Migrationshintergrund

Von den 6779 (vgl. 2014 6305) Personen, die zum 31.12.2016 im Musikerviertel und im Nordwestlichen Stadtteil leben, sind 1663 (vgl. 2014 1027) Menschen Ausländer und 1167 (vgl. 2014 1173) Doppelstaatler. Menschen mit Migrationshintergrund sind in diesem Planungsgebiet von 35% (2014) auf 41,7% gestiegen. Zu diesem Anstieg, vor allem durch ausländische Mitbürger, tragen vermutlich die bereits anerkannten Flüchtlingsfamilien, die noch in der Erstaufnahme verblieben, als auch im Musikerviertel auf günstigen Wohnraum gestoßen sind, bei.
Der Anteil der ausländischen Mitbürger liegt mit 24,5% (vgl. 2014 16,3%) 8 Prozentpunkte (vgl. 3,1 im Jahr 2014) über dem des Gesamtstadtgebiets mit 16,5% (vgl. 13,2% im Jahr 2014).
Die Doppelstaatler mit 17,2% liegen mit nur 1,1 Prozentpunkte mehr (vgl. 2010 3,7 Prozentpunkte) etwa auf dem Niveau des Gesamtstadtgebiets mit 16,1% und sind seit dem Jahr 2014 (18,6%) leicht zurück gegangen.

Entlang der Niederwerrner Straße und einiger Parallelstraßen besteht die Klientel vor allem aus jungen Familien, Alleinerziehenden, Heranwachsenden, sowie aus ausländischen Familien und Aussiedlerfamilien. Allgemein kommen die Bewohner des Stadtteils, die durch den billigen Wohnraum angezogen werden, aus schwachen sozialen wie finanziellen Verhältnissen.

Ambulante Maßnahmen nehmen sowohl im Musikerviertel als auch im Nordwestlichen Stadtteil häufig Alleinerziehende in Anspruch. Ein räumlich abgegrenztes Gebiet ist der Hainig. Dort wohnen auch Amerikaner und Aussiedler. Am Hainig gibt es keine Schule, keinen Kindergarten und auch keine Spielplätze. Daher müssen die Kinder zum Erreichen der Schule bzw. des Kindergartens lange Wege in die Stadt zurück legen. Die räumlich dem Hainig näher liegenden Kindergartenplätze in den Niederwerrner Kindergärten werden an Kinder, die am Hainig wohnen, nur dann vergeben, wenn alle Kinder aus Niederwerrn versorgt sind.

Allgemein

Das Musikerviertel und der Nördliche Stadtteil sind vorwiegend durch ältere und qualitativ niedrige Bausubstanz gekennzeichnet. Problematisch ist dabei, ähnlich wie in der westlichen und nördlichen Innenstadt, dass die abnehmende ältere Bevölkerung fast ausschließlich durch sozial wie finanziell schwache Personen und Familien ersetzt wird. Vor allem Alleinerziehende zieht es oft in das Musikerviertel oder in den Nordwestlichen Stadtteil. Sportangebote sind für Kinder zahlreich vorhanden. Aufgrund der Verkehrsanbindung sind Kinder jedoch auf dem Weg dorthin oft auf ihre Eltern angewiesen. Die Verkehrssituation verhindert es, dass sich das Gebiet zu einem geschlossenen Stadtteil entwickelt. Schulen sind in diesem Stadtteil zwar reichlich vorhanden, allerdings ist das Gebiet zum einen durch den J.F.-Kennedy-Ring räumlich abgegrenzt, zum anderen besteht es überwiegend aus Berufs- und Fachschulen. Der ebenfalls räumlich abgegrenzte Hainig verfügt zwar über eine gute Busanbindung, jedoch müssen die Kinder und Jugendlichen lange Wege in die Stadt zurück legen, um Einrichtungen zu erreichen.